Taiwan: Für ein Leben frei von Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist in Taiwan weit verbreitet – und wird trotz strenger Gesetze vielerorts akzeptiert. Die Stiftung „Garten der Hoffnung“ bietet Betroffenen Schutzräume und stärkt sie auf dem Weg in die wirtschaftliche Eigenständigkeit.

In Taiwan werden Frauen seit vielen Jahren durch ein breites gesetzliches Regelwerk vor häuslicher und/oder sexualisierter Gewalt geschützt.

Die gesellschaftliche Einstellung gegenüber geschlechterspezifischer Gewalt hat sich hingegen kaum geändert. Laut Studien tolerieren vor allem ältere Männer sie in hohem Maße. Ein möglicher Grund ist deren traditionell-konfuzianische Prägung. Aber auch ein Fünftel der Frauen gibt an, Gewalt zu tolerieren.

Gewalt wird nicht „gesehen“

Seit einem Jahrzehnt gibt es in taiwanischen Lehrplänen das Fach „Gleichstellung der Geschlechter“. Dennoch belegt eine Studie, dass junge Männer Gewalt gegen Frauen weder als solche identifizieren noch sie dezidiert ablehnen.

„Im Grunde weigern sich die Männer, die wachsende Eigenständigkeit von Frauen zu akzeptieren, sie sind nicht bereit, die patriarchalische Hierarchie einer traditionellen Familie aufzugeben und zwingen diese ihren Partnerinnen ‚notfalls‘ mit Gewalt auf.“

Lu Li-yeh, National Chengchi University

Rückkehr zum Peiniger

Taiwanische Frauen unternehmen zwischen fünf und sieben Anläufe, um sich definitiv aus einer gewaltsamen Beziehung zu lösen. Ein ums andere Mal kehren viele zu ihren Peinigern zurück.

Die Gründe dafür sind vielfältig: eine lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, begrenzte Job-Möglichkeiten aufgrund fehlender Kinder-Betreuung, ein niedriger Bildungsstand, hohe Schulden und/oder seelische Abhängigkeit. Die meisten Frauen wissen schlicht nicht, wohin und wie es nach der Trennung weitergehen könnte.

Schutzräume schaffen

Genau hier setzt das Programm zur Gewaltprävention der Stiftung „Garden of Hope“ (dt.: „Garten der Hoffnung“) aus der Hauptstadt Taipeh an. Die Partnerorganisation des Weltgebetstags organisiert über den örtlichen sozialen Wohnungsbau mittel- bzw. langfristig Wohnmöglichkeiten. Die betroffenen Frauen haben erst einmal einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen können.

Das Leben neu ordnen

In solchen geschützten Räumen können die Frauen ihre Leben neu ordnen. „Garden of Hope“ unterstützt sie mit psycho-sozialer Begleitung. Die Mitarbeiter*innen stehen aber auch vor Gericht an der Seite der Betroffenen und fördern ihre Eingliederung in ein neues gesellschaftliches Umfeld.

Weg in die wirtschaftliche Eigenständigkeit

Wissen die Frauen ihre persönliche Sicherheit gewährleistet und sind sie finanziell mit allem Notwendigen versorgt, dann steht als neue Herausforderung der Weg in die wirtschaftliche Eigenständigkeit an.

Bildung ist der Schlüssel

„Garden of Hope“ vermittelt Praktika in Bäckerei, Frühstücksbar oder Second-Handgeschäft und begleitet die Frauen bei der Jobsuche. Auch Kinderbetreuung und gemeindenahe Sozialdienste stehen den Frauen bei ihrem Neustart zur Seite. Dabei ist es besonders wichtig, den finanziellen Druck nach dem Verlassen der Schutzwohnung zu lindern.

Ein sicherer Hafen

Und wenn es einmal nicht so rund läuft – Garden of Hope bleibt verlässliche Anlaufstelle für die Frauen. Dort finden sie Ermutigung und tatkräftige Unterstützung.

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Arbeitsvermittlung für Frauen des Linkou Centers
Förderschwerpunkt: Bildung und berufliche Qualifizierung
Partnerorganisation: „Garden of Hope“ Foundation
Laufzeit: Januar bis Dezember 2022
WGT-Beitrag: 25.000€ (gemeinsam gefördertes Projekt in Kooperation mit dem Weltgebetstag Schweiz)

Weiterführende Informationen:

Website von "Garden of Hope" (englisch)

 

Unser Kollekten-Konto: Weltgebetstag der Frauen - Dt. Komitee e. V., Ev. Bank eG, Kassel, IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40, BIC: GENODEF1EK1