Taiwan: Gegen moderne Sklaverei

In Taiwan ist der Einsatz von Arbeitsmigrantinnen aus ärmeren Nachbarländern ein lukratives Geschäftsmodell. Die betroffenen Frauen arbeiten oft unter prekären Bedingungen. Das katholische Zentrum HWC ist hier ein Hoffnungsanker.

Taiwan verdankt seine führende Weltmarkt-Rolle in der IT-Branche nicht zuletzt dem hohen Anteil von Frauen am Erwerbsleben. Ein hohes Bildungsniveau und die juristische Gleichstellung im Familien- und Arbeitsrecht ebneten vielen Frauen den Weg, um einer außerhäuslichen Berufstätigkeit nachzugehen.

In den gesellschaftlichen Wertvorstellungen ist das daraus folgende Doppelverdiener-Modell inzwischen etabliert. Die traditionelle Rollenverteilung wird jedoch nicht grundsätzlich infrage gestellt. Familiäre Sorgearbeit ist weiterhin Frauensache – oder wird an Haushaltshilfen ausgelagert.

Ein lukratives Geschäftsmodell

Vor diesem Hintergrund wird die Vermittlung ausländischer Arbeitskräfte aus ärmeren Nachbarländern ein lukratives Geschäftsmodell. Für Vermittlung und Einreiseformalitäten verlangen Agenturen von Migrantinnen bis zu 4.500 €.

Sind die Frauen erst einmal im Land, werden monatliche „Servicegebühren“ an die Vermittlungsagentur von bis zu 500 € fällig. Laut Gesetz müssten die Agenturen solche Vermittlungskosten vom zukünftigen Arbeitgeber einfordern. In der Praxis werden sie den Arbeitssuchenden aufgebürdet.

Arbeit (quasi) im rechtsfreien Raum

Einmal mit Knebelverträgen ins Land gelockt, werden die Frauen ihrem Schicksal überlassen. Da die Arbeit in Privathaushalten nicht durch die Arbeitsgesetzgebung abgedeckt ist, arbeiten sie praktisch im rechtsfreien Raum.

Vorab getroffene Vereinbarungen bezüglich Verdienst und Arbeitszeiten erweisen sich oft als hinfällig. Ein Arbeitsplatz-Wechsel ist vertraglich ausgeschlossen. Die Arbeitgeber*innen hingegen können ihre Angestellten bei „Nichtgefallen“ ins Heimatland zurückschicken.

Nicht selten müssen diese dann über Jahre den Schulden-Berg abtragen, der sich beim Versuch angehäuft hat, im Ausland den Familienunterhalt zu verdienen.

Ein Hoffnungsanker

In dieser Situation ist das Hope Workers‘ Center (HWC) ein echter Hoffnungsanker für die Frauen. Bei der Partnerorganisation des Weltgebetstags finden sie ein offenes Ohr für ihre Nöte. Außerdem unterstützen die Mitarbeiter*innen sie tatkräftig dabei, einen Ausweg aus ihrer Notlage zu finden und einen Neustart zu wagen. 

Zu den Angeboten des HWC zählen psychosoziale Begleitung, Rechtsberatung sowie Unterstützung bei der Arbeitssuche und gegebenenfalls bei der Rückkehr ins Heimatland.

Ran an die Strukturen!

Aber die Mitarbeiter*innen des HWC wissen, dass diese Art moderner Sklaverei, der die Frauen ausgeliefert sind, nicht durch „gute“ Sozialarbeit überwunden werden kann. Wichtig ist, dass die strukturellen Barrieren überwunden werden.

Deshalb ist das Zentrum in der anwaltschaftlichen Arbeit zugunsten von Arbeitsrechtsreformen aktiv. Dazu gehören die Bereiche häuslicher Sorge- und Pflegearbeit.

Gemeinsam für sich einstehen

Darüber hinaus bestärken die Mitarbeiter*innen die Frauen darin, sich zu vernetzen und gemeinsam für würdige Lebens- und Arbeitsbedingungen einzustehen – in Taiwan und später in ihren Heimatländern.  

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Psychosoziale Begleitung für Hausangestellte mit Migrationshintergrund
Förderschwerpunkt: Gesellschaftliche und politische Teilhabe
Partnerorganisation: „Hope Workers‘ Center“
Laufzeit: Januar bis Dezember 2022
WGT-Beitrag: 20.000€ (gemeinsam gefördertes Projekt in Kooperation mit dem Weltgebetstag Schweiz)

Weiterführende Informationen:

Website von HWC (englisch)

 

Unser Kollekten-Konto: Weltgebetstag der Frauen - Dt. Komitee e. V., Ev. Bank eG, Kassel, IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40, BIC: GENODEF1EK1