Slowenien: Nummer für den Notfall

Selbstzweifel und Schuldgefühle hindern viele misshandelte Frauen daran, ihre Peiniger zu verlassen. Die SOS Hotline bietet den Frauen und ihren Kindern Beratung, Begleitung und einen sicheren Ort.

„Vielleicht habe ich ihn provoziert? Hätte ich einfach still bleiben sollen, als er wieder in die Spielhalle ging? Von was sollen die Kinder und ich leben, wenn wir gehen…“

Die Gedankenspirale von Überlebenden häuslicher Gewalt kreist permanent um die gleichen Sorgen. Einen Ausweg scheint es nicht zu geben – vor allem wenn die Frauen über viele Jahre Gewalt ausgeliefert waren. Selbstzweifel, Schuldgefühle und das Gefühl des Ausgeliefertseins hindern viele Frauen daran, ihre Situation zu ändern.

Allein ist es kaum zu schaffen

Als Julija M.* wieder einmal mit mühsam überschminkten blauen Flecken ihren Sohn vom Kindergarten abholte, erwähnte eine andere Mutter, dass es „irgend so einen SOS Verein gäbe“. Dieser Verein sei für Frauen in Notlagen da. Julija googelte noch auf dem Heimweg die Notfallnummer von SOS Hotline für Frauen und Kinder, der Partnerorganisation des Weltgebetstags. Als ihr Mann abends die Wohnung verließ, rief sie gleich dort an.

Nicht allein auf langem Weg

Es dauerte danach noch viele Wochen, bis Julija es wagte, ihren gewalttätigen Mann zu ver-lassen. Schließlich zog sie mit ihren Kindern in das Frauenhaus unserer Partnerinnen von SOS Hotline für Frauen und Kinder. Noch länger dauerte es, bis Julija wieder die Kraft hatte, sich um eine Arbeitsstelle und Kinderbetreuung zu bemühen.

Während all dieser Monate stand ihr das Team unserer Partnerorganisation zur Seite – mit psychosozialer Unterstützung, mit Rechtsberatung und Begleitung bei Behördengängen. Das Wichtigste, was SOS Hotline Julija bieten konnte war ein sicherer Ort, an dem sie und die Kinder neue Kraft schöpfen konnten.

Kompetenz und eine gute Basis

In scheinbar aussichtsloser Lage bekam Julija genau die Unterstützung, die sie brauchte. Das liegt neben der kompetenten Beratung und Begleitung durch ein professionelles Team und vielen qualifizierten Freiwilligen auch an der guten Vernetzung der SOS Hotline. Das Team steht in engem Kontakt mit anderen Organisationen in ganz Slowenien, die in ähnlichem Umfeld arbeiten. Dass diese Arbeit für die betroffenen Frauen und Kinder unendlich wichtig ist, hat auch das slowenische Sozialministerium erkannt, das nun einen Teil der Kosten des Vereins trägt.

Wir freuen uns sehr, dass wir mit einem Teil der Kollekte zum Weltgebetstag 2019 auch die therapeutische Arbeit der SOS Hotline unterstützen können!

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Psychosoziale und psychologische Unterstützung für Frauen und Kinder mit Gewalterfahrung

Ort/Region: Slowenien, landesweit

Förderschwerpunkt: Geschlechterspezifische Gewalt

Partnerorganisation: Društvo SOS telefon za ženske in otroke - žrtve nasilja –Verein SOS Hotline für Frauen und Kinder als Opfer von Gewalt

Laufzeit: Januar 2018 bis Dezember 2020

WGT-Beitrag: 30.000€, gemeinsame Förderung der Weltgebetstags-Komitees aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH)