Israel / Palästina: Unter Beobachtung – Frauen für Menschenrechte an den Kontrollposten

Seit über 20 Jahren beobachten die Frauen von MachsomWatch die Kontrollposten der israelischen Armee in den besetzten palästinensischen Gebieten. Sie dokumentieren Menschenrechtsverletzungen und machen sichtbar, wie die Besatzung den Alltag der Palästinenser*innen prägt.

Kontrolle und Fragmentierung

Die israelische Besatzungsmacht ist nach internationalem Recht verpflichtet, die Grundversorgung der besetzten Bevölkerung, ihre Bewegungsfreiheit und das Recht auf menschenwürdiges Leben zu gewährleisten. Checkpoints dienen offiziell der „Sicherung“ der israelischen Siedlungen – von denen ein Großteil nach internationalem Recht als illegal gilt. In der Realität fragmentieren sie das Westjordanland, ermöglichen Überwachung über die palästinensische Bevölkerung, erschweren den Zugang zu eigenen Feldern, Häusern, Gesundheitseinrichtungen und Arbeitsplätzen und erleichtern Siedler*innen die Übernahme palästinensischen Landes.

Für jede palästinensische Person bedeutet dies: Auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zu den Feldern, zu Familie oder zu Arztterminen wartet mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Barriere, die den Weg stoppt oder blockiert. Diese Einschränkungen wirken sich direkt auf Arbeit, Gesundheit, Eigentum und gesellschaftliche Teilhabe aus.

Aktivismus vor Ort

Die Arbeit von MachsomWatch wird von erfahrenen israelischen jüdischen Aktivistinnen getragen, die sich in Netzwerken von Freiwilligen organisieren. Sie stehen an Grenzregionen vor Wachtürmen, Betonmauern und bei bewaffneten Soldat*innen, beobachten das Geschehen und dokumentieren Missstände. Oft greifen sie direkt ein, wenn Menschen drangsaliert werden. Gewalt von Soldatinnen und Siedler*innen ist für sie Alltag – Beschimpfungen, körperliche Angriffe und Bedrohungen gehören dazu.

Ohne Menschenrechte kein Frieden

Seit 2023 hat sich die Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten massiv verschärft – mit mehr Checkpoints, steigender Gewalt gegen Freiwillige und Gemeinden sowie Cyberangriffen, die die Öffentlichkeitsarbeit zusätzlich erschweren. MachsomWatch reagiert darauf mit gebündelten Kräften, einem erweiterten Aktionsradius und dem verstärkten Einsatz von Schutzmaßnahmen wie Körperkameras und Buddy-Systemen (Buddy-System bedeutet, dass Freiwillige immer mindestens in Zweierteams arbeiten, um sich gegenseitig zu schützen, Risiken besser einzuschätzen und im Notfall schnell reagieren zu können). Angesichts des schrumpfenden zivilgesellschaftlichen Raums, der Eskalation des bewaffneten Konflikts und der humanitäre Krisen wird die neue Projektkooperation unter einem anderen Förderschwerpunkt des Weltgebetstags geführt. Nun stehen Friedensförderung und Friedenssicherung im Fokus – und nicht, wie im vorherigen Förderzyklus, gesellschaftliche und politische Teilhabe. Dieser Fokus entspricht den aktuellen Realitäten - gemäß der logischen Notwendigkeit, dass Menschenrechte und Friedensarbeit untrennbar miteinander verbunden sind.

Hoffnung und Zukunft

Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Blick nach vorn: MachsomWatch rekrutiert weiterhin neue Freiwillige, stärkt Netzwerke und setzt sich für eine friedliche Zukunft ein. Die Arbeit ist gefährlich und belastend, doch das Vertrauen zwischen Aktivistinnen und palästinensischer Bevölkerung wächst, getragen von dem gemeinsamen Wunsch nach Gerechtigkeit, Sichtbarkeit und Hoffnung auf Veränderung.

Palästinenser überklettern die Mauer am Qalandia-Checkpoint zwischen Ramallah und Jerusalem, November 2025 © MachsomWatch

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Israelische Aktivistinnen für Wahrung der Menschenrechte in den besetzten palästinensischen Gebieten
Förderschwerpunkt: Friedensförderung und Friedenssicherung
Partnerorganisation: MachsomWatch – Women’s Fund for Human Rights
Laufzeit: Januar 2026 bis Dezember 2027
WGT-Beitrag: 30.900 € für die gesamte Laufzeit