Indien: Nachhaltige Entwicklung durch langjährige Partnerschaft

Veränderung braucht Zeit – oft ist es schwierig, bei einer Projektlaufzeit über einen Zeitraum von nur ein bis zwei Jahren eine tiefgehende Entwicklung nachzuweisen. Daher strebt der Weltgebetstag langfristige Partnerschaften mit den Organisationen vor Ort an, die über mehrere Einzelprojekte laufen.

So war der Weltgebetstag 2011 eine der ersten Organisationen, die die Organisation Munnade in Bengaluru in Südindien gefördert haben.

Erste Schritte 2011

Damals bestand die Organisation aus vier Selbsthilfegruppen mit 15 bis 20 Mitgliedern, ausschließlich Frauen. Alle waren in der Bekleidungsindustrie als Arbeiterinnen beschäftigt. Es gab die Gründerinnen, die ebenfalls alle in der Textilindustrie arbeiteten, jedoch keine festen, bezahlten Mitarbeiterinnen von Munnnade.

Die Frauen begannen, von ihren kleinen Einkünften Geld zurückzulegen, nur wenig, pro Person ca. 100 INR im Monat, das wäre heute knapp 1 €.

Über die Jahre wuchsen die Ersparnisse der Gruppen an. Viele Frauen konnten Zugang zu den gemeinsamen Finanzmitteln bekommen, d.h. sich ihre Ersparnisse auszahlen lassen und aus dem Gruppenvermögen kleine Kredite aufnehmen. Diese Gelder wurden in Schulgeld und Ausbildung der eigenen Kinder investiert, um sich von extremen Zinsverpflichtungen zu befreien oder sie standen in Krankheitsfällen zur Verfügung.

Und heute?

Der Weltgebetstag fördert Munnade weiterhin, zehn Projekte sind es schon, das elfte beginnt 2026. Mittlerweile hat sich das Bild vollständig verändert, sehen Sie selbst:

Es gibt 45 Selbsthilfegruppen, deren Mitglieder sparen ca. 1.000 INR pro Monat (ca. 10 €). Munnade beschäftigt 18 Frauen. Munnade erfüllt alle legalen Voraussetzungen, um lokale und internationale Spenden zu erhalten und einzusetzen. Munnade kümmert sich um Textilarbeiterinnen und ihre Kinder.

Förderung von Kindern und Jugendlichen
Einige der „Kinder“ aus den Anfangsjahren sind erwachsen geworden, haben Schulabschlüsse und Ausbildungen und können sich selbst versorgen und sogar ihre Familien unterstützen. Munnade unterhält zwei Kindergärten/Horte für Kinder von Textilarbeiterinnen, damit sie sich nicht zuhause selbst überlassen sind, während ihre Mütter arbeiten. Hier wird gespielt, gesungen, gebastelt und gemalt. Es gibt für ältere Kinder Unterstützung bei den Hausaufgaben und bei Prüfungsvorbereitungen. Sie lernen zusätzlich zu den Lehrplänen in der Schule über Kinderrechte, Hygiene, reproduktive Gesundheit und Sicherheitsvorkehrungen. Munnade unterhält vier sogenannte livelihood centres. Hier haben ältere Kinder die Gelegenheit, sich auszuprobieren, indem sie ihr Wissen und ihre Fertigkeiten an jüngere Kinder in kulturellen und schulischen / akademischen Aktivitäten weitergeben.

Durchhaltevermögen zahlt sich aus

Da es in Indien eine hohe Mobilität unter Arbeiter*innen gibt, berät Munnade migrantische Arbeiterinnen in deren jeweiliger Sprache. Zum Beispiel unterstützen Hindi-sprechende Beraterinnen Frauen in Bengaluru, wo man Kannada spricht..

Einige der heutigen Vorstandsmitglieder haben sich über die Jahre von schüchternen Arbeiterinnen zu eloquenten Vorstandsmitgliedern entwickelt, die sich für andere einsetzen, wenn Missstände bekannt werden, und selbstbewusst Verhandlungen mit Fabrikbesitzern, lokalen Behörden und natürlich auch vielen Männern führen.

Was für eine Entwicklung steckt hinter diesen Projekten, die sich vielleicht von Antrag zu Antrag nicht sehr unterscheiden! Mittelfristig und auf lange Sicht verbessern sie jedoch das Leben der einzelnen Teilnehmerinnen und ihrer Familien und sind für die ganze Community nachhaltig. Wir sind stolz auf solche Partnerinnen und glücklich, von ihrem Durchhaltevermögen zu lernen.

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Stärkung und Entwicklung von Textilarbeiterinnen durch Gerechtigkeit und soziale und wirtschaftliche Aktionen
Förderschwerpunkt: Wirtschaftliche Eigenständigkeit / Existenzsicherung
Partnerorganisation: Munnade Social Organization
Laufzeit: Februar 2026 bis Januar 2028
WGT-Beitrag: 28.000 €

Weiterführende Informationen:

Webseite der Partnerorganisation (auf Englisch)