Guatemala: Ein „Leben in Fülle“ für alle

AFEDES setzt auf Ernährungssouveränität als Schlüssel für Eigenständigkeit.

In Guatemala konzentriert sich der nationale Reichtum in den Händen einer winzigen Oberschicht von Weißen und Ladinos, während die indigene Bevölkerungsmehrheit überwiegend von Einkünften weit unter der Armutsgrenze lebt. Da für sie die Landwirtschaft nach wie vor eine der wichtigsten Einkommensquellen darstellt, trifft sie die ungerechte Landverteilung und die an den Interessen der Eliten ausgerichtete Agrarpolitik besonders hart. Fazit: Armut in Guatemala ist ländlich und indigen, weil struktureller Rassismus die Privilegien der Mächtigen absichert.

Frauen zwischen Ethnozentrismus und patriarchaler Dominanz

Die Partnerorganisation des Weltgebetstags „Asociación Femenina para el Desarrollo de Sacatepéquez“ (AFEDES) wirft einen sehr kritischen Blick auf diesen strukturellen Rassismus, verweist aber auch auf die patriarchalen Prägungen in den indigenen Gemeinschaften selbst, die den Frauen das Leben schwer machen. Beides müsse auf den Prüfstand – die wirtschaftliche und soziale Ausgrenzung als Indigene und die Diskriminierung als Frau. Frauen brauchen laut AFEDES mehr Spielraum, um ihre Unterordnung zu hinterfragen. Nur so können sie ihre verinnerlichte Selbstgeringschätzung überwinden und ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zum Positiven wenden.

Deshalb begann AFEDES in 14 Gemeinschaften, mit den Frauen intensiv über Diskriminierung, Rassismus und patriarchale Unterdrückungsstrukturen nachzudenken. Gemeinsam formulierten sie die Vision eines „Lebens in Fülle“ für alle (Utz K`aslmemal, auf Kaqchikel), die soziale Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit prinzipiell mitdenkt. „Dieser Prozess half uns, ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln“, sagt Angelina von AFEDES. „Wir verstehen heute besser, wie uns das kapitalistische Wirtschaftsmodell in einen Teufelskreis aus Armut und Abhängigkeit hineingezwungen hat und uns auch noch glauben lassen will, die Verantwortung dafür läge bei uns selber.“

Selbstversorgung und Selbstbestimmung

Ein Herzstück von „Utz K`aslmemal“ ist die Ernährungssouveränität, also die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was man anbauen und essen möchte. 50 Frauen sind inzwischen in agroökologischen Produktions- und Vermarktungsgruppen organisiert und sichern damit die Selbstversorgung ihrer Familien. Und sie sind selbstbewusster geworden: „Wir wollen unser Frausein im Einklang mit unserem Maya-Sein leben“, erklärt Angelina. „Für uns kommt es nicht infrage, mit unserer Herkunft zu brechen, und das verstehen viele Feministinnen nicht. Dabei liegt die Herausforderung für uns ja gerade darin, uns von Zuschreibungen zu befreien und selbst zu bestimmen, wer wir sein wollen – als Frauen und als Indigene.“

Projekt-Kurzinfo
Projekttitel: Ernährungssouveränität – die Option für ein eigenständiges ‚gutes Leben‘
Förderschwerpunkt: Ernährungssouveränität
Ort/Region: Sacatepéquez
Partnerorganisation: Asociación Femenina para el Desarrollo de Sacatepéquez (AFEDES)
Laufzeit: Januar 2019 bis Dezember 2020
WGT-Beitrag: 48.919 €

Unser Kollekten-Konto: Weltgebetstag der Frauen - Dt. Komitee e. V., Ev. Bank eG, Kassel, IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40, BIC: GENODEF1EK1