Argentinien: Unser Geld, unsere Entscheidung

Stricken und Weben für mehr Mitbestimmung? Das Netzwerk „Red Puna y Quebrada“ zeigt, wie das geht. Es unterstützt indigene Frauen dabei, traditionelles Handwerk herzustellen und zu vermarkten. 

Wir wollen unsere Wirklichkeit verändern, etwas dafür tun, um die zutiefst ungerechten Strukturen unserer Gesellschaft zu verändern“, sagt Juana von Red Puna, einer Plattform indigener Basisorganisationen im kargen Norden Argentiniens.

Wir werden ausgegrenzt, weil wir Indigene sind. Und wir werden verachtet, weil wir Frauen sind.

Folgenlose Sensibilisierung – oder echte Transformation?

Die Mitarbeiterinnen von Red Puna haben erkannt: Frauenrechte werden nur dann als ein legitimes Anliegen akzeptiert, wenn die indigenen Frauen sie nicht als unauflöslichen Widerspruch mit der eigenen indigenen Identität und der traditionellen Rolle von Frauen in familiärer Sorgearbeit und Subsistenz-Landwirtschaft erleben.

Erst dann kann ein Umdenkprozess beginnen. Und: Die Frauen müssen ihre Autonomie-Bestrebungen mit wirtschaftlicher Unabhängigkeit absichern können. „Brotlose“ Sensibilisierung in Geschlechter-Fragen bleibt folgenlos!

Marktlücke: indigener Schick  

Red Puna setzt beim Aufbau einer wirtschaftlichen Basis auf das traditionell in Frauenhand liegende Textil-Handwerk. Mittlerweile produzieren 80 Frauen hochwertige Socken, Mützen, Schals und Decken aus Alpaka-Wolle. Dabei arbeiten sie regelmäßig mit Designer*innen zusammen.

 „Von ihnen haben wir über Qualitäts-Standards und zeitgenössisches Design gelernt“, berichtet Juana. „Das war der Durchbruch!“ Der Hintergrund: Etwas „Eigenes“, also traditionell Argentinisches, zu tragen gilt unter den städtischen Mittelschichten als schickes Statement einer geschichts-bewussten Identität.

Sichere Absatz-Märkte, sicheres Familien-Einkommen

Hat sich die Lebensqualität der Frauen und ihrer Familien verändert?

Durchaus! Unsere Produkte verkaufen sich gut, teils im eigenen Laden in Tilcara, teils in der Genossenschaft in Purmamarca, beides Touristenorte. Und wir beliefern regelmäßig Boutiquen in der Hauptstadt. Der Beitrag der Frauen zum Familien-Einkommen ist vielerorts nicht mehr wegzudenken!

Unser Geld, unsere Entscheidung

Auch in Sachen Gleichberechtigung tut sich etwas: „Seit wir eigenes Geld verdienen, hören unsere Männer auf uns“, so Juana. Das zeigt: Wer eigenes Geld verdient, hat zuhause eine bessere Verhandlungsposition. Ihre Partner unterstützen die Frauen mehr bei Hausarbeit und Kinderbetreuung und zeigen weniger Widerstand gegenüber dem außerhäuslichen Engagement ihrer Partnerinnen.

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Indigenes Textilhandwerk als Schlüssel zu Selbstermächtigung und sozioökonomischer Teilhabe
Förderschwerpunkt: Wirtschaftliche Eigenständigkeit
Partnerorganisation: Red Puna y Quebrada
Laufzeit: Januar 2019 bis Dezember 2020
WGT-Beitrag: 42.254€