Unterstützung via Soziale Medien

Eindrücke einer Partnerorganisation des Weltgebetstags in Zeiten des Coronavirus.

„Hier in Kolumbien ist der Ausnahmezustand ausgerufen und soziale Isolation wurde für alle verpflichtend angeordnet. Ursprünglich hieß es, das gelte bis zum 13. April 2020, aber wir glauben, dass das länger geht, denn es heißt auch, dass die wirklich heiße Phase der Pandemie in Kolumbien erst Ende April eintreten werde.

Die Situation ist chaotisch, besonders in den Armenvierteln, überall gibt es Menschenschlangen vor den Grundversorgungseinrichtungen, ohne die Präventionsmaßnahmen einzuhalten. Viele Erwachsene schenken der Nachricht über die Gefährlichkeit der Pandemie keine Aufmerksamkeit. Die allermeisten Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Kommune leben von informeller Arbeit und sind auf tägliche Einnahmen angewiesen. Wenn sie nun zwangsweise zuhause bleiben sollen, verlieren sie ihren Lebensunterhalt. Deswegen halten sich viele nicht an die Auflagen und gehen trotzdem raus in der Hoffnung, irgendein Einkommen aufzutun.

Die Regierung ergreift Unterstützungsmaßnahmen, aber der Großteil der Ressourcen dient der Unterstützung des Finanzsektors und der Unternehmerklasse. Es gibt ja nicht mal die nötige Infrastruktur, um der Bevölkerungsmehrheit mit informellen Arbeitsverhältnissen Unterstützung zukommen zu lassen – die hat in der Regel nämlich nicht mal ein Bankkonto. So kämpfen unsere Familien und nahestehende Personen zunehmend ums Überleben.

Inzwischen haben wir im Team unserer Organisation festgelegt, wie es mit unserer Arbeit weitergehen kann: Wir haben die Frauen in kleine Gruppen eingeteilt, mit denen wir via WhatsApp in Verbindung bleiben. Wir im Zentrum produzieren kleine Audio- und Textnachrichten zum Thema Selbstfürsorge, die wir täglich an die Frauen verschicken, der Tenor ist: Lasst uns zuversichtlich sein beziehungsweise lasst uns im Austausch bleiben und uns mitteilen, wie wir uns fühlen. Frauen, die kein WhatsApp haben, rufen wir zweimal die Woche an und machen ihnen Mut.

All das machen wir inzwischen strikt von zuhause aus. Ansonsten geht es uns wie euch – allgemeine Unsicherheit und Abwarten. In Kolumbien ist das öffentliche Gesundheitssystem schon unter normalen Umständen äußerst defizitär, wir machen uns große Sorgen, wie wir so die Pandemie durchstehen können.“

Zum Schutz der Frauen in Kolumbien ist diese Nachricht anonymisiert.