Nachrichten von der Eskalation in der Region Westasien und Nordafrika prägen die Schlagzeilen. Wir haben bei unseren Partnerorganisationen nachgefragt, wie es ihnen geht und wie sie ihre wichtige Arbeit in der ohnehin volatilen Lage aufrechterhalten oder umstellen können.
Libanon
Seit dem Ausbruch der Kampfhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah am 2. März 2026 berichtet unsere Partnerorganisation Beit El Nour in Beirut von einer dramatischen Verschärfung der Lage im Libanon. Die Gewalt hat sich rasch ausgeweitet und betrifft inzwischen Beirut, den Süden des Landes sowie Teile des Nordens und der Bekaa-Ebene. Nach Angaben der libanesischen Regierung (Stand: 10. März) hat die Eskalation bereits 759.300 Menschen zur Flucht gezwungen, 570 Menschen sind getötet und 1.444 verletzt worden – die Zahlen steigen weiter. Die aktuelle Eskalation trifft ein Land, das bereits seit Jahren unter einer schweren wirtschaftlichen und sozialen Krise leidet, und verschärft die ohnehin prekäre Lage vieler Familien erheblich.
Vertriebene Menschen finden derzeit vor allem in öffentlichen Schulen, auf Universitätsgeländen oder bei Gastfamilien Unterkunft. Staatliche Stellen und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen versuchen, die dringendsten Bedürfnisse zu decken – etwa durch Lebensmittelhilfe, medizinische Versorgung sowie die Verteilung von Decken, Matratzen und Hygieneartikeln.
Trotz der schwierigen Sicherheitslage setzt unsere Partnerorganisation ihre Arbeit fort und unterstützt besonders Kinder und Familien in vulnerablen Situationen. In einem Zentrum im Beiruter Vorort Bourj Hammoud werden weiterhin Nachhilfeunterricht, psychosoziale Unterstützung und Freizeitangebote für Kinder aus ansässigen und vertriebenen Familien angeboten. Gleichzeitig werden Unterkünfte für Vertriebene besucht, um Bedarfe zu erfassen und mögliche Hilfsmaßnahmen zu planen. Darüber hinaus organisiert die Organisation derzeit Hilfsgüter für rund 540 Vertriebene, die in einer Schule in Beirut Zuflucht gefunden haben. In anderen Stadtteilen, etwa in Sabra, wird die psychosoziale Unterstützung für Kinder unter den aktuellen Sicherheitsbedingungen teilweise aus der Ferne aufrechterhalten, da sichere Wege zu den Zentren nicht immer gewährleistet sind. Ein weiteres Projekt im nordlibanesischen Tripoli läuft weiterhin und bietet gefährdeten Kindern Bildungs- und Schutzangebote.
Autonome Region Kurdistan im Irak
Auch aus der Autonomen Region Kurdistan im Irak berichtet unsere Partnerorganisation WADI von einer zunehmend angespannten Lage. WADI, die vor Ort insbesondere mit jesidischen und kurdischen Frauen arbeitet, beobachtet eine wachsende Unsicherheit in der Region. Die Teams bereiten sich darauf vor, dass in den kommenden Wochen mehr Menschen aus dem Iran Schutz suchen könnten, sollte sich die Lage dort weiter verschärfen. Unsere Partner*innen prüfen, wie sie ihre Unterstützungsangebote für besonders vulnerable Gruppen – darunter Frauen und Kinder – kurzfristig ausweiten können.
Israel und Palästina
Auch Partnerorganisationen in Israel und Palästina berichten von erheblichen Einschränkungen ihrer Arbeit. In Israel finden viele Aktivitäten derzeit unter erschwerten Bedingungen und teilweise online statt. In den besetzten palästinensischen Gebieten ist die Situation ebenfalls stark angespannt: Teile des Westjordanlands sind weitgehend abgesperrt, wodurch Projekte nur eingeschränkt umgesetzt werden können. Viele Organisationen arbeiten deshalb verstärkt digital oder in kleinem Rahmen vor Ort, obwohl gleichzeitig die Gewalt durch Siedler*innen zunimmt und vielerorts keine Schutzräume für die Zivilbevölkerung vorhanden sind. Hinzu kommt, dass Gaza seit der jüngsten Eskalation weitgehend abgeriegelt ist, wodurch humanitäre Hilfe nur sehr eingeschränkt oder gar nicht in die Region gelangt – eine Situation, die die humanitäre Katastrophe weiter verschärft.
Foto eines abgerissenen Hauses in der Negev/Naqab, Israel: Im jüngsten Krieg hatten 41 % der arabischen Bürger*innen in Israel keinen geschützten Raum. In unregistrierten Beduinen-Dörfern, die aufgrund ihrer Nähe zu einer Air-Force-Basis gezielt von Raketen angegriffen werden, fehlen hunderte Unterkünfte, und die Bewohner*innen leiden bereits unter massiven Infrastrukturdefiziten und Hauszerstörungen. © Leandra Hettenbach-Said
