Die Kirchen in Deutschland haben ein neues Kapitel ihrer ökumenischen Zusammenarbeit aufgeschlagen. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in der französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin wurde am 15. September die neue Charta Oecumenica unterzeichnet.
Die Charta Oecumenica ist ein Abkommen der christlichen Kirchen in Europa für eine wachsende Zusammenarbeit. Darin wird betont, „dass das, was uns eint, tiefer und größer ist als das, was uns trennt“. Die ursprüngliche Fassung stammt von 2001, seither hat sich in Europa viel verändert. Die aktualisierte Vereinbarung nimmt neue Herausforderungen in den Blick und setzt Schwerpunkte unter anderem bei Frieden, Migration, neuen Technologien und der Rolle junger Menschen.

Unser Vorstandsmitglied Mona Kuntze war vor Ort im Gottesdienst und beim anschließenden Studientag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK). Hier im Gespräch mit der evangelischen Theologin Lea Schlenker (links), die den Prozess der Bearbeitung der Charta Oecumenica seitens der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) maßgeblich mitgestaltet hat.
Fahrplan für gemeinsames Handeln
Für Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK, ist die Unterzeichnung ein Neuanfang. „Die neue Charta Oecumenica ist kein abstraktes Dokument, sondern ein ganz konkreter Fahrplan für gemeinsames Handeln und Zeugnis und ein Versprechen für unsere Zukunft", sagte er. „Jetzt geht es darum, die Selbstverpflichtungen in unseren Kirchen, Gemeinden und ökumenischen Arbeitsgemeinschaften auf allen Ebenen mit Leben zu füllen. Nehmen Sie diesen Text in die Hand, lesen Sie darin wie in einer Landkarte der Hoffnung und – vor allem – kommen Sie darüber ins Gespräch. Denn Ökumene beginnt bei jeder und jedem von uns.“
Die Charta Oecumenica zum Nachlesen gibt es auf der Internetseite der ACK
Bedford-Strohm: Trennung der Kirchen darf nicht „Normalfall“ sein
Landesbischof i.R. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Moderator des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, richtete in seiner Predigt einen eindringlichen Appell an die Kirchen. Die „noch immer existierende Trennung der Kirchen“ dürfe nicht als Normalfall angesehen werden, sondern sei „ein Scheitern an dem Auftrag Jesu“. Bedford-Strohm stellte zugleich die Frage: „Sind unsere konfessionellen Traditionen [...] selbst zur Hauptsache geworden?“
Mit Blick auf die gesellschaftliche Verantwortung der Kirchen hob Bedford-Strohm zudem die klare Haltung der revidierten Charta Oecumenica gegen eine politische Instrumentalisierung des Christentums hervor: „Es ist ein starkes Zeichen, wenn die Kirchen Europas in großer Einmütigkeit den Missbrauch des Christentums für Zwecke, die ihm zutiefst entgegenstehen, verurteilen. Die Charta verpflichtet die Kirchen dazu, ‚allen Versuchen zu widerstehen, Religion und Kirche für ethnische, nationalistische, politische oder populistische Zwecke zu missbrauchen.‘“ In diesem Sinne ist es sehr passend, dass die Unterzeichnung der revidierten Charta Oecumenica am Internationalen Tag der Demokratie begangen wurde.
Von Berlin als „signature move christlicher Existenz“ in die Regionen
Beim anschließenden Empfang im Haus der EKD kamen die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen miteinander ins Gespräch und wurden vom Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), Dr. Christian Stäblein, begrüßt. Bischof Stäblein beschrieb die überarbeitete Charta Oecumenica als „signature move christlicher Existenz in dieser Welt“: „Von Anfang an fragt die Charta ja, woran man nun diesen Weg der Einheit erkennen wird – und die Antwort wird in Jesu Wort selbst gefunden: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid; wenn ihr einander liebt.“
Foto: ACK
