Aus den Angeln gerissen

Die bei einer Explosion in Beirut herausgerissene Eisentür liegt im Hauseingang.

Explosion in Beirut: Leicht verletzte Mitarbeiterin und Schäden bei Beit el-Nour.

Ein Land halb so groß wie Hessen, vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und über 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge. Die Rede ist vom Libanon. Normalerweise unterstützen die Mitarbeitenden von Beit el-Nour in der Hauptstadt Beirut Flüchtlingskinder bei der Bewältigung von Flucht- und Kriegstraumata, Schulbildung und organisieren Freizeitangebote. Für die Kinder ist die Betreuung durch die Partnerorganisation des Weltgebetstags oft einer der wenigen Lichtblicke im Flüchtlingsalltag aus Armut, Diskriminierung und Perspektivlosigkeit.

Doch seit vergangener Woche herrscht in Beirut Chaos. Die beiden Zentren von Beit el-Nour in Beirut liegen in den Stadtteilen Sabra-Chatila und in Naaba. Während das Zentrum im Vorort Sabra Chatila weit genug vom Hafen entfernt liegt, und der einzige Schaden sich auf einige zerbrochene Fensterscheiben reduziert, liegt Naaba etwa drei Kilometer Luftlinie von dem explodierten Lager entfernt.

„Zum Glück ist niemandem etwas Ernstes passiert. Um die Nachmittagszeit ist unser Zentrum praktisch leer, abgesehen von einer unserer Erzieherinnen Nadine. Sie hat leider eine leichte Verletzung am Bein“, sagt Dr. Robert Caracache, der Leiter von Beit el-Nour. Das Haus wurde dagegen zu einem großen Teil zerstört. „Die Eingangstür unseres Zentrums ist aus Eisen und im Grunde massiv, wurde aber durch die Explosion aus den Angeln gerissen“, erzählt Caracache. „Im Innern des Zentrums riss die Explosion alles zu Boden: Tische, Möbel, Geräte und so weiter.“

Weiterer psychologischer Betreuungsbedarf

Die meisten der teilnehmenden Kinder wohnen mehrere Kilometer entfernt. Zwar haben die Häuser auch dort noch Schaden genommen, aber „Gott sei Dank sind praktisch alle Familien sicher und gesund“, erklärt Caracache. Welche Auswirkungen die Katastrophe auf die Kinder hatte, wird sich den Mitarbeitenden von Beit el-Nour erst noch zeigen. Der Leiter der Partnerorganisation vermutet jedoch jetzt schon, dass die Auswirkungen enorm sind und die psychologische Betreuung der Kinder verstärkt werden muss.

Bei der Explosion eines Ammoniumnitrat-Lagers im Hafen von Beirut sind am 4. August 2020 mindestens 160 Menschen gestorben, fast 6.000 wurden verletzt. Beirut wurde dadurch in weiten Teilen zerstört. Warum im Hafen ungeschützt so explosives Material lagerte, ist nach wie vor unklar. Indes geben wütende Bürger der Regierung die Schuld an der Explosion. Die Regierung trat am 10. August 2020 zurück.

 

Weiterführende Informationen

Informationen zur Arbeit von Beit el-Nour