Syrien: Überleben – und danach?

Im Sommer 2014 sah es schlecht aus für die Bewohner*innen im mehrheitlich kurdischen Nordsyrien: Die Stadt Kobanê war kurz vor dem Fall. Der sogenannte Islamische Staat (IS) kontrollierte das gesamte Gebiet nach Süden hin. Die Türkei hatte ihre Grenze zu Syrien hermetisch abgeriegelt. Aus dem Irak strömten Tausende Flüchtlinge in den Kanton Cizîrê.

Nur mit Unterstützung der US-Luftwaffe konnten die kurdischen Volksverteidigungs-Einheiten – unter ihnen viele Frauen – dem Vormarsch des IS Einhalt gebieten. Seitdem gilt es, die Versorgung der Bevölkerung und der Flüchtlinge in Rojava („Westkurdistan“) aus eigenen Kräften sicher zu stellen.

Wiederaufbau und Vergangenheitsbewältigung

Die „Stiftung der freien Frau in Rojava“ (WJAR) kennt die Situation der geflüchteten Familien – darunter auch viele Yesidinnen aus dem Sindschar – sehr genau. Seit 2014 arbeitet die Partnerorganisation des Weltgebetstags in den Flüchtlingslagern rund um Qamishli und Serê Kaniyê.

In dieser Region gibt es kaum internationale Unterstützung. Die Mehrheit der Frauen und Kinder ist durch die Geschehnisse rund um ihre Flucht traumatisiert. Ihren Alltag können sie nur mit größter Mühe bewältigen.

Gesundheitsposten als Anlaufstelle

Viele der Menschen haben kranke Angehörige oder selbst körperliche Beschwerden und brauchen dringend medizinische Hilfe. Deswegen bildet WJAR Frauen in den Flüchtlingslagern als Mitarbeiterinnen im Gesundheitssektor aus. Sie sind die ersten Ansprechpartnerinnen vor Ort, wenn jemand medizinische Hilfe benötigt.

Darüber hinaus bietet WJAR den Frauen psychosoziale Angebote, damit sie das Erlebte aufarbeiten können. In weiteren Kursen erlernen die Frauen Kenntnisse in der Landwirtschaft oder im Führen eines Kleingewerbes. Gemeinsam mit anderen verbessern die Kursteilnehmerinnen ihre Situation in den Lagern. Hoffnung und Selbstbestimmtheit wachsen.

Das Schicksal selbst in die Hand nehmen

Auf lange Sicht zielen die Mitarbeitenden von WJAR mit ihren Aktivitäten auch darauf ab, dass sich immer mehr Frauen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld engagieren.

Nach Rückzug des syrischen Regimes haben sich die drei Kantone in Nordsyrien entsprechenden Grundsätzen verpflichtet. „Die freie Frau ist die Basis einer freien Gesellschaft“ lautet einer von ihnen.  In der Selbstverwaltung Rojavas ist so beispielsweise eine Frauenquote von 40% in allen öffentlichen Ämtern vorgesehen.

Der Weg zur „freien Frau in einer freien Gesellschaft“ ist jedoch noch lang. Deswegen unterstützt der Weltgebetstag seine Partnerinnen von WJAR und ihre Arbeit mit Flüchtlingsfrauen auch unter schwierigen Rahmenbedingungen.

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Empowerment geflüchteter Frauen in Nordsyrien
Ort/Region: Flüchtlingslager Roj, Al Hol, Mabruka
Förderschwerpunkt: Geschlechterspezifische Gewalt
Partnerorganisation: Stiftung der freien Frau in Rojava (WJAR)
Laufzeit: Januar 2018 bis Dezember 2018
WGT-Beitrag: 20.703€