„Schädliche traditionelle Praktiken“

Sitzkreis mehrere Mädchen im Irak.

Wie unsere Partnerinnen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im Irak vorgehen.

Wir haben schon häufiger über den Kampf unserer Partnerinnen gegen Genitalverstümmelung oder Kinderheirat berichtet, oft aus Afrika. Leider sind sogenannte „schädliche traditionelle Praktiken“, die Frauen und Mädchen die Chance auf eine körperlich unversehrte und selbstbestimmte Entwicklung nehmen, keinesfalls auf den afrikanischen Kontinent begrenzt. So ist beispielsweise auch in den ländlichen Gegenden des Vorderen Orients, u.a. in Iran, Jemen und dem Irak Genitalverstümmelung an Mädchen (FGM, engl. für female genital mutilation) über ethnische und religiöse Grenzen hinweg ein weit verbreitetes Phänomen. Dagegen gibt es bei den Ursachen und „Nebenerscheinungen“ durchaus Parallelen, egal in welchem Erdteil FGM vorkommt: Eng verknüpft mit dem brutalen Brauch sind die patriarchalen Vorstellungen von „Reinheit“ der Frau, „Familienehre“ und Tradition. In den erwähnten Ländern erfahren Mädchen insgesamt gesellschaftlich eine deutlich geringere Wertschätzung, gehen kürzer zur Schule, heiraten früher bzw. werden früh verheiratet und erfahren im familiären Umfeld häufig Gewalt.

Beispiel Nord-Irak: Die meisten kurdischen Frauen kennen keine andere Lebenswirklichkeit als die der Mutter und Versorgerin, ein Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit hat keinen Platz. Sie haben, genau wie ihre Männer, die gängigen Rollenvorstellungen und geschlechtsbezogenen Zuschreibungen über die Jahre verinnerlicht und geben sie damit – bewusst oder unbewusst – auch an ihre Töchter und Söhne weiter.

Hier setzt die Arbeit unserer Partnerorganisation WADI e.V. an: In Dörfern und Gemeinden mit wenig Zugang zu unabhängigen Informationen klären kleine Teams Frauen und Mädchen über ihre elementaren Rechte auf. Wo möglich, gibt es Angebote für Nähen und Scheidern, das den Frauen nicht nur die Möglichkeit gibt, das Haushaltsbudget etwas aufzubessern, sondern sich auch in geschützten Räumen kontinuierlich zu treffen. Dabei entsteht mit der Zeit eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der auch schwierige Themen wie Kinder-/Zwangsheirat, Genitalverstümmelung und häusliche Gewalt thematisiert werden können. Die Erfahrung unserer Partnerinnen vor Ort zeigt: Teilt eine Frau ihre Erfahrungen, folgen andere nach und erkennen, wie wichtig Selbstfürsorge und Rückhalt in der Gemeinschaft sind, um für die eigenen Rechte und die Unversehrtheit der Töchter einzutreten. So können sich Strategien entwickeln, wie man mit belastenden Situationen konstruktiv umgehen und mit der eigenen Familie zu schädlichen Traditionen ins Gespräch kommen kann.

Parallel zu den Treffen mit den Frauen gibt es öffentliche Veranstaltungen mit Entscheidungsträgern und traditionellen Führern, bei denen FGM oder andere schädliche traditionellen Praktiken hinterfragt werden. Gelingt es, dass diese Meinungsführer sich hierzu kritisch äußern, ist das ein Meilenstein auf dem Weg zu Gewaltfreiheit.

Wenn Sie diese oder ähnliche Kooperationen des Weltgebetstags in Asien, Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten oder Europa unterstützen möchten, können Sie dies mit einer steuerabzugsfähigen Spende tun:
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