Weltgebetstag Kuba 2016 – Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf

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Kolumbien: Gelebte Befreiungstheologie

In Calis Elendsviertel stärkt ein Kulturzentrum die Sehnsucht der Frauen nach einem Leben in Fülle. Kunst, Lebensberatung und spirituelle Gemeinschaft sind Lichtblicke im Alltag.

Vertrieben und ausgegrenzt: neue Heimat Elendsviertel

In der Comuna 18, einem Stadtteil im Süden Calis, leben über 100.000 Menschen, hauptsächlich Binnenvertriebene.

Sie sind vor Hunger und Krieg geflohen in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch diese wird oft enttäuscht: menschenwürdiger Wohnraum, Strom- und Wasseranschluss sind ebenso rar wie Arbeitsplätze oder Bildungseinrichtungen.

Stattdessen dominieren Ausgrenzung, Kriminalität und Gewalt den Alltag.

Von der Befreiungstheologie zu den Frauenrechten

Frauenbewegung in Kolumbien: Demonstration gegen Frauenmorde, Copyright CCTSViele haben selbst nach Jahrzehnten kaum Wurzeln geschlagen. Für sie ist das Kulturzentrum „Einander Schwestern sein“ (CCTS) eine wichtige Anlaufstelle. 1976 von einer christlichen Basisgemeinde gegründet, konzentrierte sich die Arbeit bald auf Frauen und Kinder.

„Als wir die Ausgrenzung der Frauen in dieser kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaft jeden Tag besser verstanden“, erzählt die Leiterin Carmiña Navia, „begannen wir das kritische Bewusstsein der Frauen und ihren Widerstand gegenüber einer patriarchalen Gesellschaft, die sie ausgrenzt und unterdrückt, zu stärken“.

Die eigene Würde wiederentdecken

Sich austauschen, etwas Schönes gestalten, Gemeinschaft erfahren – die Kunsthandwerkgruppe „Unsere Hände“, Copyright WGT e.V.Für viele Frauen ist das breite Kulturangebot in den beiden CCTS-Stadtteilzentren ein Gegenpol zur allgegenwärtigen Gewalterfahrung. Ob mit Theater- oder Kunsthandwerk, in Schreibwerkstätten oder Literaturzirkeln, in der Krisen-Anlaufstelle oder bei gemeinsamen Frauenrechtsaktionen: Die Partnerorganisation des Weltgebetstags, CCTS, schafft vielfältige Zugänge zu Themen, die den Frauen unter den Nägeln brennen.

Darunter sind Gewalt gegen Frauen, familiäre Konflikte, Spiritualität, Frauenrechte, und viele mehr.

„Wenn eine Frau ihre Talente entfaltet, trägt dies zu ihrer Befreiung und Heilung bei, ob sie sich dessen bewusst ist oder nicht“, so Carmiña. „Frauen wurden jahrhundertelang ausgeschlossen und misshandelt. Sie müssen ihre Selbstachtung wiedergewinnen, dann sind sie stark und können für ihre Rechte einstehen“.

Herausforderung Religion und Frauenrechte

© CCTSCCTS hat landesweit einen guten Ruf als christlich-feministisches Bildungszentrum, das auch heiße Eisen anpackt: „Die traditionelle Religiosität vieler KolumbianerInnen ist ein Nährboden für frauenfeindliches und gewalttätiges Verhalten. Diese zu transformieren und Recht und Gerechtigkeit für Frauen zu erwirken, das gehört zu den großen Herausforderungen der Kirche in unserer Zeit. Vielleicht brauchen wir dazu eine neue ökumenische Dekade für Frauen“, schließt Carmiña.

Foto oben: Frauenbewegung in Kolumbien: Demonstration gegen Femizid („Frauenmorde“), © CCTS

Foto mitte: Sich austauschen, etwas Schönes gestalten, Gemeinschaft erfahren – die Kunsthandwerkgruppe „Unsere Hände“, © WGT e.V.

Foto unten: Frauen der Tanzgruppe „Gestern und heute“, © CCTS

Projekt-Kurzinfo

Projekttitel: Geschlechtersensible Persönlichkeitsentwicklung und Gewaltprävention

Ort/Region: Cali, Comuna 18

Förderschwerpunkt: Frauenperspektiven in Kirche, Ökumene und interreligiösem Dialog

Partnerorganisation: Casa Cultural Tejiendo Sororidades (CCTS)

Laufzeit: Januar bis Dezember 2017

WGT-Beitrag: 21.362 €

Weiterführende Informationen:

Website des „Institut für Theologie und Politik“ mit Beiträgen zur Rezeption der Befreiungstheologie in Deutschland

Website mit Links zu Gruppen und Zentren, die zu lateinamerikanischer Befreiungstheologie arbeiten (spanisch)

Spanischsprachige Webseite unserer Partnerorganisation CCTS (Anmerkung: z.T. auch auf Deutsch und Englisch)

Das Blog von Carmiña Navia Velasco, Leiterin von CCTS, Befreiungstheologin und Literaturwissenschaftlerin (Spanisch)