Weltgebetstag Kuba 2016 – Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf

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Frauen kämpfen gegen Hunger und Armut

© MTWRCBefremdlich und verstörend sind viele der Nachrichten, die uns momentan aus den Philippinen erreichen. Ausfallende Äußerungen des Präsidenten Rodrigo Duterte und sein brutaler „Krieg gegen die Drogen“ sorgen weltweit für Entsetzen.

Außerhalb des Scheinwerferlichts hingegen steht der herausfordernde Alltag der philippinischen Frauen und Mädchen.

Die Schere geht auseinander

Mitte Oktober stehen gleich drei prominente Jahrestage im Kalender. Gerne hätten wir anlässlich des „Internationalen Tages der Landfrauen“ am 15. Oktober, des „Welternährungstags“ am 16. Oktober und des „Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut“ am 17. Oktober über Fortschritte im Kampf gegen den Hunger berichtet. Auch dass philippinische Kleinbäuerinnen gestärkt werden und die Armut unter Frauen auf dem Land zurückgeht, hätten wir gerne vermeldet.

Doch leider geht – trotz vollmundiger Ankündigungen des Präsidenten Duterte – die Schere zwischen Arm und Reich, Hunger und Überfluss, Bevorzugung und Benachteiligung in den Philippinen immer weiter auseinander.

Hunger und Armut haben viele Ursachen

Die Auswirkungen des Klimawandels wie Dürren und Überflutungen haben das Hungerproblem der Philippinen in den letzten Jahren drastisch verschärft. Und zuvor kämpfte die ländliche Bevölkerung vielerorts bereits um die nackte Existenz. Die Gründe dafür waren und sind:

  • die ungleiche Verteilung von Landbesitz und der Einfluss globaler Lebensmittelkonzerne bei der Landnutzung
  • die vielschichtigen internen Konflikte und Vertreibungen seitens transnationaler Industrie- und Bergbauunternehmen
  • der blinde Glaube an den technischen Fortschritt (z.B. „Golden Rice“) und die damit oft einhergehende Vernachlässigung traditioneller und angepasster Anbaumethoden.

Wie in den meisten Fällen sind Frauen und Kinder von diesen Entwicklungen besonders betroffen. Nach Schätzungen des renommierten „International Food Policy Research Institute“ (IFPRI) leiden fast 14% der philippinischen Bevölkerung dauerhaft an Hunger. Fast ein Drittel der Kinder unter 5 Jahren zeigt deutliche Entwicklungsverzögerungen aufgrund von Unterernährung.

Es braucht mehr als markige Sprüche

Die Gründe hierfür sind längst bekannt und benannt. Die dramatischen Folgen sind überall sichtbar. Und doch erfordert eine erfolgreiche Bekämpfung von Hunger und Mangelernährung mehr als markige Sprüche, Befehlsgewalt und Waffengebrauch, wie sie der philippinische Präsident propagiert.

Bislang sind vor allem die Zivilgesellschaft und ihre vielen Gruppen an der Basis aktiv geworden. Langfristig und nachhaltig arbeiten sie an einer Verbesserung der Ernährungssituation in den Philippinen.

Frauen ergreifen die Initiative

Eine dieser engagierten Gruppen ist das „Mindanao Tri-People Women Resource Center“ (MTWRC). Das aus der Friedensbewegung stammende Frauen-Netzwerk macht sich für bessere Lebensbedingungen indigener, muslimischer und christlicher Frauen stark. Tätig ist MTWRC auf der Insel Mindanao, einer Konfliktregion und einstigen „Kornkammer“ der Philippinen.

Das Netzwerk arbeitet mit kleinen Basisgruppen vor Ort zusammen. Dieses Konzept verfolgen die meisten der Partnerorganisationen des Weltgebetstags in Mindanao. Gemeinsam mit den Basisgruppen setzt sich MTWRC dafür ein, den Folgeschäden von Klimawandel, Bodenerosion und Raubbau natürlicher Ressourcen gegenzusteuern.

Wie sieht die Arbeit in den Basisgruppen aus?

© WGT e.V.Zunächst einmal erhalten alle interessierten Frauen von den Mitarbeiterinnen des MTWRC einen Workshop. Auf dem Stundenplan stehen dabei praktische Informationen zum ökologischen Anbau. Die Frauen lernen, dass die ökologisch angebauten Feldfrüchte und das Gemüse besonders gut an das empfindliche Ökosystem der Region angepasst sind und viele Nährstoffe enthalten.

Die Teilnehmerinnen legen eigene Hausgärten an, um ihre oft kinderreichen Familien zu ernähren. Ergänzt werden die Gärten oft mit Hochbeeten und terrassierten Flächen. Diese erlauben auch eine Nutzung der Steillagen, denn die meisten Frauen leben im bergigen Hinterland.

Mit den richtigen Techniken zum Verarbeiten und Konservieren können die Frauen Heilkräuter, Tees, Salben und Seifen produzieren und diese auf den lokalen Märkten verkaufen. Dadurch bessern sie das Einkommen ihrer Familie auf und sind wirtschaftlich unabhängiger von ihren Ehemännern. All dies verschafft den Frauen ein höheres innerfamiliäres und gesellschaftliches Ansehen und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Das Ziel: Kontrolle über Wasser, Land und Saatgut

Darüber hinaus unterstützt MTWRC die Frauenbewegungen vor Ort in ihrem Kampf für mehr Ernährungssouveränität. Dadurch sollen gerade kleine und mittlere Nahrungsmittelproduzentinnen die Kontrolle über die Produktionsmittel Wasser, Land und Saatgut erhalten sowie gesunde und nahrhafte Lebensmittel produzieren können.

Weitere Informationen:

Beitrag zum Thema „Ernährungssouveränität und Projektarbeit des Weltgebetstags“: Menüpunkt „Ernährungssouveränität“

Beitrag zum Thema „Frauen und Hunger“: Veröffentlichung „Frauen hungern anders“, hrsg. von „Brot für die Welt“ (PDF)

Beitrag über die Arbeit von MTWRC: Menüpunkt „Philippinen: Die Rechte indigener Frauen“

Foto (oben): Erfahrungsaustausch zwischen indigenen Kleinbäuerinnen der Küstenregion, © MTWRC

Foto (unten): Kräuterseifen aus eigener Herstellung, © WGT e.V.